Stillen trotz Schwangerschaft Periode

Periode trotz Stillen- Kann ich in der Stillzeit schwanger werden?


Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Mutter, die voll und nach Bedarf stillt, in den ersten sechs Lebensmonaten des Babys wieder schwanger wird, liegt bei etwa zwei Prozent. Das heißt, Stillen bietet anfangs einen relativen Schutz vor einer Schwangerschaft – auch wenn ein Restrisiko bleibt.

Wann kommt die Periode nach der Geburt wieder?

Mütter, die überhaupt nicht stillen, haben meist nach wenigen Wochen die erste Periode nach der Geburt. Voll stillende Mütter bekommen die Periode trotz Stillen nach durchschnittlich 6-18 Monaten wieder. In den ersten sechs Monaten beträgt die Wirksamkeit der sogenannten LAM-Methode (Lactational Amenorrhea Method) immerhin 98 %.

Das heißt, die Fruchtbarkeit nach einer Schwangerschaft und einer natürlichen Stillzeit ist für längere Zeit stark eingeschränkt. Die Biologie einer Frau sorgt also dafür, dass nicht innerhalb kürzester Zeit ein zweites Baby entsteht – eine Situation, die bis vor 50 Jahren das Überleben aller Beteiligten gefährden hätte können. Deshalb sorgen die Stillhormone für ein Ausbleiben des Eisprungs und die meisten Mütter können nicht trotz Stillen schwanger werden. Die Stillfrequenz hat damit direkten Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft, denn je häufiger gestillt wird, desto konstanter sind die Eisprung-unterdrückenden Hormone im Blut der Mutter.

Die erste Periode nach der Entbindung kann mitunter sehr untypisch sein. Bei manchen Frauen ist die Regelblutung in den ersten Monaten sehr heftig, bei anderen sehr schwach. Auch Zykluschwankungen können vor allem bei stillenden Müttern vorkommen. Das ist kein Grund zur Sorge und liegt nur daran, dass sich der Hormonhaushalt erst wieder einpendeln muss.

Erste Menstruation bleibt aus: Schwanger im ersten Zyklus

Wann genau der erste Zyklus nach der Schwangerschaft einsetzt, kann niemand vorhersagen. Ein Hinweis kann es sein, wenn sich das Scheidensekret verändert und mehr wird. Allerdings kann das auch ein Hinweis auf eine bakterielle Infektion oder vaginale Pilzinfektion sein.


Auch das Messen der Körper-Basaltemperatur und die Anwendung der NFP-Methode zur natürlichen Verhütung würde Hinweise auf einen stattfindenden Eisprung liefern. Dieser geht mit einem Ansteigen der Basaltemperatur einher und findet durchschnittlich 12 Tage nach dem ersten Tag der Periode statt. Allerdings wäre es beim Messen der Basaltemperatur hilfreich, wenn schon Werte von vor der Schwangerschaft zum Vergleich vorliegen.

Das Tückische an der Empfängnisverhütung in der Stillzeit ist, dass es keinen Kontrollmechanismus gibt. Während normalerweise das Einsetzen der Periode ein Zeichen ist, dass die Frau wahrscheinlich nicht schwanger ist, kann es in der Stillzeit passieren, dass die Frau gleich beim ersten Einsprung nach der Geburt schwanger wird.

Wenn Du Dich auf den Verhütungseffekt der ersten sechs Stillmonate verlässt, solltest Du die Möglichkeit einer unbemerkten Schwangerschaft zumindest im Hinterkopf haben und auf frühe Symptome und Hinweise auf eine Schwangerschaft achten.

Schwanger trotz Periode

Und letztlich ist, genau wie vor der Schwangerschaft, auch mit Einsetzen der Periode eine Schwangerschaft nicht ausgeschlossen. Denn bei manchen Frauen kommt es trotz einer befruchteten Eizelle etwa um den Zeitpunkt der Menstruationsblutung zu einer Ersatzblutung. Diese ist möglicherweise weniger stark als die Regelblutung, kann aber auch genauso heftig ausfallen. Dass das keine echte Regelblutung ist, kann allerdings nur ein Schwangerschaftstest zeigen.

Eine Periode trotz Schwangerschaft  ist auch und gerade nicht unüblich, wenn eine Frau die Pille nimmt. Denn auch bei der Blutung  während der Pillenpause entsteht keine echte Menstruationsblutung, d.h. die Gebärmutterschleimhaut löst sich nicht, sondern eine Ersatzblutung durch den Abfall der Hormone aus der Pille. Eine Frau kann also trotz Pille und Periode schwanger sein.

Verhütung in der Stillzeit

Wer mit allen mitteln eine Schwangerschaft beim Stillen vorbeugen möchte, der sollte auch in den ersten Monaten der Stillzeit auf zusätzliche Verhütung zurückgreifen.

In Frage kommen als stillfreundliche Verhütungsmittel:

  • Kondom
  • Diaphragma, Portiokappe oder Iea contraceptivum (jeweils nach dem Wochenfluss)
  • Spirale nach dem Wochenfluss, also ca. 6-8 Wochen nach der Entbindung
  • Östrogenfreie Mini-Pille (Näheres s.u.; muss jeden Tag pünktlich genommen werden).
  • NFP, wenn sich Zyklus und Schlafrhythmus wieder eingependelt haben – mit einem Neugeborenen oft schwierig, es kann zu unvorhersehbaren Temperaturschwankungen am Morgen kommen.  Bei der symptothermalen Verhütung wird erfolgt eine Verhütung nur an den potentiell fruchtbaren Tagen.

Pille in der Stillzeit

Östrogene können Milchfluss hemmen und in die Muttermilch übergehen, wo sie den kindlichen Hormonhaushalt durcheinander bringen. Es kommt zu einer langsameren Gewichtszunahme beim Säugling. Selbst Gestagenpillen, also die Mini-Pille, sollte nicht unmittelbar in den ersten Wochen eingenommen. Auch sie verändert die Zusammensetzung der Muttermilch. Experten raten deshalb zur Vorsicht.

Die „Pille danach“ kommt in der Stillzeit nicht in Frage. Sie enthält eine sehr hohe Dosis an weiblichen Sexualhormonen, die den Zyklus und auch die Milchbildung durcheinander bringen können. Wenn nach der Pille danach eine Blutung einsetzt, bedeutet das nicht, dass der natürliche Zyklus wieder einsetzt. Die Blutung wird durch die Hormone stimuliert und soll eine Schwangerschaft verhindern.

Quellen: 

  • Lothrop, Hannah: Das Stillbuch. München: Kösel, 2008.
  • Weigert, Vivan: Stillen. München: Kösel 2010.