Nachts Abstillen nach Gordon – Wie geht das?


Manche Babys schlafen besser, wenn sie nachts nicht mehr gestillt werden – allerdings bei Weitem nicht alle. Wer den Versuch wagen will, aber sein Baby nicht schreien lassen möchte, kann nachts abstillen nach Gordon und seinem bedürfnisorientierten Schlaftraining.

Mein Baby schläft nicht durch – Warum?

Kaum ein Neugeborenes schläft von Anfang an nachts durch. Das ist ganz normal, denn einen Tag-Nacht-Rhythmus wie unseren müssen Babys erst erlernen. Das dauert von Kind zu Kind unterschiedlich lange. Nach etwa einem Jahr hat sich meistens eine Art Schlafrhythmus herausgebildet, bei dem Kinder zu bestimmten Uhrzeiten hauptsächlich schlafen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass sie zwischendurch nicht immer wieder aufwachen, denn das tun alle Menschen. Wir oszillieren zwischen Tiefschlaf– und ganz kurzen Wachphasen. Mit der Zeit lernen wir jedoch, uns in einem wachen Moment einfach umzudrehen und weiterzuschlafen, wenn wir noch müde sind. Babys können das noch nicht so gut und werden dann mitunter ganz wach. Je nach Temperament lernen sie schon nach einigen Wochen, selbst wieder in den Schlaf zu finden – oder sie brauchen dabei die Hilfe einer Bezugsperson.

Für ein Stillkind ist die denkbar einfachste Hilfe das Trinken an der Brust. Dabei können sie gleichzeitig ihren nächtlichen Hunger stillen und seelig wieder einschlummern.

Das heißt, ein Baby wacht nachts aus zwei Gründen auf:


  1. Echter Hunger bzw. die Gewohnheit an eine nächtliche Mahlzeit.
  2. Unfähigkeit, in einer Wachphase selbst wieder in den Schlaf zu finden.

Wie kann mein Baby durchschlafen lernen?

Wenn Du nun möchtest, dass Dein Kind auch ohne Stillen wieder einschläft, solltest Du zuerst sicher gehen, dass es keinen Hunger hat. Neugeborene haben einen sehr kleinen Magen und müssen deshalb alle paar Stunden Nahrung aufnehmen, um ihren Bedarf zu decken. Ihnen solltest Du deshalb nachts die Milch nicht verweigern.

Allerdings können auch die ganz Kleinen meistens schon lernen, ohne Nuckeln an der Brust wieder einzuschlafen. Dann fällt zumindest der zweite Grund für nächtliches Aufwachen weg und das Baby wacht nur alle paar Stunden oder vielleicht nur einmal pro Nacht auf, um zu trinken. Irgendwann fällt dann auch das Bedürfnis nach Nahrung nachts weg und so kann Dein Baby durchschlafen lernen.

Sanftes Abstillen nach Gordon: Bedürfnisorientiert schlafen lernen

Soweit die Theorie. Doch wie kann ein Baby einschlafen lernen, ohne dass man es vernachlässigt?

Für Eltern, die trotz bedürfnisorientierter und liebevoller Erziehung ihrem Kind einem „Schlaftraining“ unterziehen möchten, bietet Jay Gordon eine Alternative zu „Jedes Kind kann schlafen lernen“ und ähnlichen Programmen. Denn diese basieren alle darauf, das Kind allein und kontrolliert schreien zu lassen. Ihr Erfolg basiert darauf, dass das Kind irgendwann aufgibt und nicht mehr nach den Eltern ruft, d.h. still ist. Dass manche Babys in so einer Situation Todesangst durchleben ist nicht schwer zu glauben, denn instinktiv befinden sie sich immer noch in der Steinzeit. Und dort hätte das alleine im Dunkeln zurückgelassen werden den wahrscheinlichen Tod durch Hunger, Kälte oder Raubtiere bedeutet. Auch das „Einschlafen“ in dieser Situation ist durch diese Instinkte aus der Steinzeit erklärbar: Wenn niemand auf das Schreien des Säuglings reagiert, ist es sicherer, still zu werden. So lockt man keine Fressfeinde an. Es ist also gut möglich, dass die Babys nicht richtig einschlafen, sondern in eine Art Schockschlaf fallen.

Deshalb stellt Gordon auch klar, dass er grundsätzlich kein Befürworter davon ist, „an den Schlafgewohnheiten von Kindern herumzudoktern“. Allerdings möchte er, wenn es schon sein muss, ein sanftes Abstillen bzw. Schlaftraining für die Nacht empfehlen.

Grundsätzlich, so Gordon, darf sein Programm nur angewendet werden, wenn ein Kind mit 1 Jahr immer noch nicht durchschläft bzw. nachts abgestillt werden soll. Vorher sind die Babys noch zu klein und brauchen möglicherweise die nächtliche Nahrung. Das heißt, Durchschlafen kann man erst von einem Kleinkind „verlangen“.

Anleitung – Schritt für Schritt das stillen reduzieren

Abgesehen vom Alter ist die zweite Voraussetzung für Gordon, dass Du als Mutter absolut sicher bist, diesen Schritt gehen zu wollen. Denn wenn er nicht notwendig ist und eigentlich nur von Außen auferlegt, dann wird das Programm womöglich nichts nutzen – und ist auch nicht nötig. Denn Kinder können ohne Probleme viele Jahre nachts gestillt werden. Das schadet weder dem Kind, noch der Mutter und verhindert nicht, dass es irgendwann alleine und im eigenen Zimmer schläft.

1. Die ersten drei nächte

Wenn Du aber sicher bist, dass es an der Zeit ist, nachts abzustillen, dann wähle in einem ersten Schritt einen Zeitraum von 7 Stunden, in dem Dein Kleinkind (mindestens 1 Jahr alt!) durchschlafen soll. In dieser Zeit entwöhnst Du es nun Schritt für Schritt von der Brust. Wichtig ist, dass jede andere Art der Zuwendung gleich bleibt. Dein Kind darf weiter im Familienbett oder im Elternschlafzimmer schlafen und sich dort sicher fühlen. Außerhalb des 7-Stunden-Zeitraums sollte Dein Kleinkind außerdem alles genau so vorfinden, wie immer. Das heißt, es wird weiterhin zum Einschlafen gestillt und wenn es zwischendurch aufwacht, es wird gekuschelt, liebkost und gestillt – bis die 7 Stunden beginnen.

Sobald diese angebrochen sind, stillst Du es zwar beim Aufwachen, aber nur so lange, bis es keinen Hunger mehr hat. An der Brust einschlafen darf es nicht mehr. Es darf kuscheln und die Nähe der Mutter genießen, aber nicht beim Nuckeln einschlafen. Darüber wird Dein Kind wahrscheinlich sehr wütend sein, doch letztlich wird es einschlafen. Und es muss mit seiner Wut und Enttäuschung niemals alleine bleiben. Erneut gestillt wird es nur, wenn es dazwischen für wenigstens einige Minuten eingeschlafen ist.

2. Die zweiten drei Nächte

Nach der dritten Nacht hörst Du auf, Dein Kind in den 7 gewählten Stunden zu Stillen. Wenn es aufwacht, kann es kuscheln, besungen werden oder in den Schlaf geküsst – aber nicht gestillt. Kleinkindern fällt es übrigens leichter, wenn man ihnen solche Dinge vorher einige Male erklärt – und dann nachts wiederholt.

Wenn Du Sorge hast, dass Dein Kind tatsächlich Hunger oder Durst leidet, kannst Du etwas Wasser oder im Zweifelsfall auch Muttermilch aus dem Becher geben. Aber Achtung: Nicht aus der Flasche trinken lassen, sonst überträgt dein Kind das nächtliche Saugbedürfnis einfach.

3. die siebente nacht und danach

Dein Kleinkind hat nun gelernt, auch wenn sicherlich unter viel Protest, ohne Einschlafstillen einschlafen zu können. Das ist ein großer Schritt. Es hat außerdem auf seiner inneren Uhr ein Gefühl dafür entwickelt, in welchen Zeiten es nicht gestillt wird. Aufwachen und nach der Brust fragen lohnt sich immer weniger. Wenn Dein Kind trotzdem innerhalb der sieben Stunden aufwacht, nimm es nicht mehr hoch. Sprich leise zu ihm oder berühre es sanft, streichle es oder kuschle mit ihm. Aber mit so wenig Einsatz wie möglich. Denn nach und nach wird es jetzt immer seltener aufwachen – und nach einigen weiteren Nächten hoffentlich ganz durchschlafen.

Warum ist das Abstillen nach Gordon besser?

Wer schon einmal Erfahrung mit „Jedes Kind kann schlafen lernen“ gemacht hat, der weiß, dass es „funktioniert“. Am Ende des Programms schlafen auch ganz kleine Babys schon die Nacht durch. Warum also sollte man sich das Leben unnötig schwer machen?

Es gibt viele gute Gründe, auf ein Schlaflerntraining zu verzichten. Denn alleine in einem abgedunkelten Zimmer zurückgelassen zu werden, ohne zu verstehen, warum, ist für ein Baby und auch für ein Kleinkind enormer Stress. Bevor Babys mit etwa 10 Monaten die sogenannte Objektpermanenz entwickeln, ist ihnen nicht klar, dass die Mutter oder der Vater trotzdem weiter existieren, obwohl sie den Raum verlassen haben. Auch ein echtes Zeitgefühl haben sie nicht, jede einzelne Sekunde ohne Bezugsperson ist darum schon zu lange.

Beim nächtlichen Abstillen nach Gordon ist das Kind erstens schon älter (mindestens 12 Monate) und wird mit zu keinem Moment allein gelassen.

Die Entwöhnung von der nächtlichen Milchration findet auch nicht von heute auf morgen statt. Denn auch wenn der Magen eines Kindes mit 12 Monaten sicherlich groß genug ist, um tagsüber genug Nahrung aufzunehmen, so ist der nächtliche Hunger zunächst einmal echt. Das Kind isst tagsüber weniger und nimmt nachts zusätzliche Kalorien auf. Wenn diese schrittweise reduziert werden, kann es sich langsam daran gewöhnen, tagsüber mehr zu essen.

Quellen: 

  • http://www.rabeneltern.org/index.php/wissenswertes/schlafen-wissenswertes/1221-besser-schlafen-im-familienbett?showall=&start=5