Milchbildung fördern und anregen: Tipps bei zu wenig Muttermilch


In sehr seltenen Fällen produzieren Mütter tatsächlich zu wenig Milch für ihre Babys. In den meisten Fällen jedoch sind die Ursachen nicht körperlich, sondern haben andere Gründe. Dann sind es oft schon kleine Veränderungen im Stillalltag, die die Milchbildung steigern und eine gute Stillbeziehung ermöglichen können.

Zu wenig Muttermilch?

Angst, dass das baby nicht satt wird

Wenn Du das Gefühl hast, dass beim Stillen zu wenig Milch kommt, bist Du damit nicht allein. Vor allem beim ersten Kind sind viele Mütter besorgt, dem Baby nicht genug Nahrung bieten zu können. Wenn Das Baby wieder und wieder an die Brust möchte, wird das oft als Signal verstanden, dass es von der vorherigen Mahlzeit nicht satt wurde und deshalb schon wieder trinken möchte. Meistens ist dies aber nicht der Fall, sondern der Säugling sucht einfach nach körperlicher Nähe und Beruhigung. In manchen Entwicklungsphasen kommt es auch zum sogenannten Cluster-Feeding bei Wachstumsschüben, bei dem das Baby durch häufiges Trinken die Milchbildung vor einem Wachstumsschub anregt.

Woran erkenne ich, dass ich zu wenig milch habe?

Wenn Dein Baby von der Muttermilch tatsächlich nicht satt wird, also die Milchmenge nicht ausreicht, dann erkennst Du das daran, dass Dein Baby

  • nach dem Stillen an der Brust weint,
  • nach einiger Zeit an der Brust sehr unruhig wird, oder
  • sich häufig von der Brust löst und wieder andockt.

Wenn Du diese Verhaltensweisen bei Deinem Baby bemerkst, solltest Du etwas aufmerksamer beobachten. Ein gesundes Baby, das genug Milch aufnimmt, sollte

  • nicht mehr als 7% seines Körpergewichts verlieren und das Geburtsgewicht bis zum 10. Lebenstag zurück haben. Nach dem 5. Lebenstag sollte das Mekonium zum Muttermilchstuhl geworden sein.
  • 5-6 nasse Windeln pro Tag haben.

Bei Problemen solltest Du Den Kinderarzt und unbedingt eine gute Stillberatung aufsuchen. Denn auch Hebammen und Kinderärzte wissen häufig noch zu wenig über das Stillen und die Milchbildung und raten vielleicht vorschnell dazu, zuzufüttern oder abzustillen.


ACHTUNG
Es gibt tatsächlich Fälle (3-5% der Frauen), die keine oder nicht genug Milch für ihre Kinder bilden können. Beim Verdacht auf zu wenig Milch zum Stillen sollte daher IMMER professionelle Hilfe einer Stillberaterin UND eines Kinderarztes aufgesucht werden. Im Zweifelsfall, egal wie viele positive Auswirkungen Muttermilch hat, geht das Leben und die gesunde, altergemäße Entwicklung eines Babys immer vor. Wenn Arzt und Stillberaterin eindringlich zum Zufüttern raten, sollte man das deshalb auch tun.

Warum habe ich zu wenig milch?

Dass Deine Brust zu wenig Milch hat, hat also meist keine körperlichen Ursachen. Viel häufiger ist es, dass etwas beim Stillvorgang selbst nicht ideal läuft und der Körper deshalb zu wenig Milch bereithält.

Probleme können sein:

  • Baby saugt nicht richtig, weil es z.B. falsch angelegt wurde oder eine Saugverwirrung hat.

>> Lies hier, wie Du Dein Baby richtig anlegen und stillen kannst. 

  • Saugbedürfnis wird durch Schnuller befriedigt und nicht an der Brust.
  • Baby trinkt zu kurz oder zu selten.

>> So oft und so lange stillen ist normal und gesund. 

  • Zufüttern reduziert die Nachfrage und dadurch die Milchbildung.

>> Es gibt auch eine stillfreundliche Methode zum Zufüttern mit dem Brusternährungsset

  • Psychische Beeinträchtigung der Mutter, auch Drogen, Alkohol, Nikotin, Koffein, Medikamente.
  • Eine längere Trennung von Mutter und Kind, sodass die Milchbildung zu wenig angeregt wird.
  • Milchspendereflex ist gehemmt durch Stress oder Ängste der Mutter.
  • Baby könnt krank sein (z.B. Neugeborenengelbsucht) und dadurch zu schläfrig, um sich zu melden oder zu schwach, um richtig zu saugen.
  • Krankheit oder körperliche Störungen bei der Mutter, z.B. Hormonprobleme oder Anämie nach der Geburt.

Milchbildung Fördern und Milcheinschuss Anregen

Am besten kannst Du die Milchbildung fördern, indem Du viel und richtig stillst.

11 Tipps für mehr Milchbildung:

  1. Sichergehen, dass das Baby richtig angelegt ist.
  2. Häufiger und länger stillen lassen, alle 2-3 Stunden.
  3. Keine künstlichen Stillabstände einhalten, sondern nach Bedarf bzw. häufiger stillen.
  4. Mehr Ruhe beim Stillen, Ablenkung vermeiden.
  5. Eine entspannte Position einnehmen.
  6. Selbst gut ernähren und möglichst viel schlafen.
  7. Beidseitiges Stillen, während des Stillens die Brust wechseln.
  8. Ausschließliches Stillen, nicht zufüttern in den ersten 6 Monaten.
  9. Zusätzlich Muttermilch abpumpen und einfrieren.
  10. Zusätzlich kannst Du Milchbildungstee, Bockshornklee, Bachblüten oder Globuli zur Milchbildung versuchen.
  11. Brustmassagen tun gut. In den ersten Tagen machen sie den Milcheinschuss weniger unangenehm. Dazu kann man ein angenehmes Öl nehmen, muss man aber nicht. Mit beiden Händen jeweils vom Brustkorb zur Brustwarze hin streichen oder die Hände um die Brust bewegen lassen. Einfach ausprobieren, was sich angenehm anfühlt. Man kann auch gezielt das darunter liegende Drüsengewebe massieren, aber nie so, dass es weh tut.

Quellen: 

  • Lothrop, Hannah: Das Stillbuch. München: Kösel, 2008.
  • Weigert, Vivan: Stillen. München: Kösel 2010.