Stillen und Arbeiten

Arbeiten und Stillen: Funktioniert Stillen am Arbeitsplatz?


Laut einer Umfrage geben 14% aller Mütter als Grund für das Abstillen ihres Kindes an, dass sie wieder arbeiten gehen. Das muss nicht sein. Das Gesetz spricht einer Mutter das erste Lebensjar des Kindes bezahlte Arbeitszeit zu, in der sie stillen oder Milch abpumpen kann. Stillen und Arbeiten sind also kein Widerspruch.

Arbeiten und Stillen: Das sagt das Mutterschutzgesetz

Das neue Elternzeit Plus Modell ermöglicht für die Mutter einen sehr frühen Wiedereinstieg an den Arbeitsplatz. Das ist politisch erwünscht und für manche Mütter wichtig – sowohl finanziell, als auch psychisch. Allerdings weiß man mittlerweile auch, dass ein Baby mindestens sechs Monate voll und danach weiterhin nach Bedarf gestillt werden sollte. Das kommt letztlich auch der Gesellschaft zugute, weil es hilft, körperlich und psychisch gesunde Menschen groß zu ziehen. Deshalb ist auch Stillen im Interesse der Politik und hat Einzug in die Gesetze gefunden.

Mutterschutzgesetz: Stillen am Arbeitsplatz

Und so ist die Stillzeit im Arbeitsrecht geregelt:

Der §7 des Mutterschutzgesetzes (MuSchG) besagt:

“ (1)Stillenden Müttern ist auf ihr Verlangen die zum Stillen erforderliche Zeit, mindestens aber zwei Mal täglich eine halbe Stunde oder ein Mal täglich eine Stunde freizugeben. Bei einer zusammenhängenden Arbeitszeit von mehr als acht Stunden soll auf Verlangen zwei Mal eine Stillzeit von mindestens fünfundvierzig Minuten oder, wenn in der Nähe der Arbeitsstätte keine Stillgelegenheit vorhanden ist, ein Mal eine Stillzeit von mindestens neunzig Minuten gewährt werden. Die Arbeitszeit gilt als zusammenhängend, soweit sie nicht durch eine Ruhepause von mindestens zwei Stunden unterbrochen wird.

(2) Durch Gewährung der Stillzeit darf kein Verdienstausfall eintreten. Die Stillzeit darf von stillenden Müttern nicht vor- oder nachgearbeitet und nicht auf die in dem Arbeitszeitgesetzt oder in anderen Vorschriften festgesetzten Ruhepausen angerechnet werden. „

Das bedeutet, laut Mutterschutzgesetz hat jede stillende Mutter Anspruch auf ein Mindestmaß an Stillpausen am Arbeitsplatz. Eine Stunde bei einem 8-Stunden-Tag und 1,5 Stunden bei einem längeren. Wie genau diese Zeiten eingesetzt werden, hängt von der Situation der stillenden Mutter ab. Diese Stillpausen sind zusätzlich zu den Pausenzeiten, die die Arbeitnehmerin sonst hat. Allerdings werden sie nicht von der Gesamtarbeitszeit abgezogen, es handelt sich um bezahlte Pausenzeiten.


Außerdem schützt das Mutterschaftsgesetz eine stillende Arbeitnehmerin ähnlich wie eine schwangere: Nachtarbeit, Wochenendarbeit und schwere körperliche Tätigkeiten sind verboten.

Seit dem 01.01.2018 gilt diese Regelung nicht mehr unbegrenzt, sondern nur für die ersten 12 Lebensmonate.

Arbeiten nach der Elternzeit: Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Wiedereinstieg?

Das Mutterschutzgesetz schreibt mindestens 6 Wochen Pause nach der Geburt vor. Diese Zeit sollte sich eine Mutter auch nehmen – für sich selbst, und ihr Baby. In der Regel braucht der weibliche Körper einige Wochen, um sich von der Geburt zu erholen und die hormonellen Veränderungen zu verkraften. Denn mit dem Abfallen der Schwangerschaftshormone kommen nicht alle Frauen gut zurecht, häufig setzt der sogenannte Baby-Blues ein.

Häufig lautet die Empfehlung, ein Baby solle mindestens ein Jahr lang vorwiegend von der Mutter betreut werden. Während man damit sicherlich nichts falsch macht, gibt es auch Situationen, in denen eine frühere Rückkehr an den Arbeitsplatz notwendig oder erwünscht ist. Und auch andere Bezugspersonen können sich angemessen um ein Baby kümmern und es kann eine sichere Bindung aufbauen.

Für den Arbeitgeber hat das Stillen am Arbeitsplatz übrigens bis auf die bezahlten Pausenzeiten keine Nachteile. Denn womöglich kehren wertvolle Arbeitskräfte so früher wieder ins Unternehmen zurück und bringen ihre Arbeitsleistung ein. Und solange Babys gestillt werden, sind sie nachweislich seltener krank – damit fällt auch die Mutter als Arbeitnehmerin seltener aus.

Stillen am Arbeitsplatz: Die Praxis

Doch wie genau soll das nun aussehen, das arbeiten und stillen?

Direkt vor ort stillen

Am schönsten und einfachsten ist es für die meisten, wenn jemand das Baby regelmäßig an den Arbeitsplatz bringen kann. Es gibt einige Betriebe, die eine Kita direkt vor Ort anbieten. Auch alternative Konzepte wie Coworking-Büros mit Kinderbetreuung finden sich in größeren Städten immer wieder. Allerdings hat nicht jede stillende Mutter das Glück, ihr Baby direkt am Arbeitsplatz stillen zu können oder innerhalb der vorgegebenen Pausenzeiten in die Betreuungseinrichtung zu kommen.

Muttermilch abpumpen

Die Alternative lautet dann: Abpumpen. Abends, nachts und am Wochenende kannst Du auf diese Weise ganz normal weiter stillen. Tagsüber, während Du arbeitest, wird Dein Baby mit Muttermilch aus der Flasche gefüttert. Für Dich bedeutet das, dass Du die gesetzlichen Stillpausen nicht zum Stillen Deines Babys, sondern zum Abpumpen und Lagern von Muttermilch nutzt.

Wenn Du vorher noch nie abgepumpt hast, erscheint das womöglich als zusätzlicher Stressfaktor neben dem Wiedereinstieg ins Berufsleben. Etwas einfacher wird es, wenn Du Dir vorher einige Wochen Zeit nimmst, um alles zu üben: So weißt Du, worauf Du beim AbpumpenAufbewahren und Füttern von Muttermilch achten musst und Dein Baby kann ohne Druck lernen, auch von anderen Betreuungspersonen und aus der Flasche Milch anzunehmen. Vielleicht müsst ihr verschiedene Milchpumpen und Sauger probieren und verschiedene Tricks, damit das Stillbaby die Flasche annimmt. Es gibt mittlerweile Flaschensauger, die der Brustwarze sehr ähnlich sind. Manche Babys lehnen die Flasche trotzdem dauerhaft ab – dann gibt es auch alternative Fütterungsmethoden, z.B. mit dem Löffel oder mit dem Becher.

Während eines vollen Arbeitstages musst Du zwei bis drei Mal abpumpen, wenn Du weiterhin voll stillen möchtest. Die Milch, die Du abpumpst, kannst Du im Idealfall gleich mit zur Kinderbetreuung nehmen, wenn Du Dein Baby abholst. Das bedeutet, Du pumpst immer Milch für den Folgetag ab und diese wird über Nacht bei der Tagesmutter, Babysitter/in oder in der Kindertagesstätte im Kühlschrank gelagert. Am Freitag wird die Milch für Montag eingelagert. Am Wochenende kann Dein Baby normal stillen und Du musst gar nicht pumpen.

Bei Problemen mit dem Stillen, Abpumpen oder Füttern der Milch solltest Du frühzeitig eine Stillberatung hinzuziehen. So können viele Fehler behoben werden, bevor sie echte Auswirkungen haben.

stillen verlagern

Nach der Beikosteinführung, wenn Dein Baby tagsüber allmählich genug isst, reicht womöglich auch ein bis zwei Mal abpumpen. Viele arbeitende Stillmütter stillen irgendwann nicht mehr während der Arbeitszeit oder pumpen ab, sondern verlagern das Stillen auf die Zeiten, in denen sie mit dem Baby zusammen sind – vorausgesetzt, das Kind isst bereits genug Beikost, um satt zu sein.

Um zu gewährleisten, dass die Mutter-Kind-Bindung nicht unter der täglichen Trennung leidet, hilft es Deinem Baby wahrscheinlich, wenn es weiterhin im Familienbett oder Beistellbett schlafen darf und viel getragen wird. Es ist gut möglich, dass ein Baby dann viele Stillmahlzeiten auf die Nacht verlegt und sich in dieser Zeit die Nahrung und Nähe holt, die es tagsüber nicht bekommen hat. Auch die Milchbildung wird so aufrecht erhalten.

Allerdings kann das für Dich als stillende, arbeitende Mutter, sehr anstrengend sein. Wenn Du Vollzeit arbeitest, versuche daher, abends früh genug ins Bett zu gehen, um ausgeschlafen für den Job zu sein.

Und vergiss nicht: Diese Phase dauert nicht ewig! Auch für Dein Baby ist die neue Situation ungewohnt und verunsichernd. Irgendwann wird sich ein neuer Rhythmus einspielen und Dein Baby Dich weniger brauchen.

die richtige unterstützung

Bezüglich der Kinderbetreuung ist es wichtig, eine stillfreundliche Tagesmutter oder Kita zu finden, die nicht ungefragt Säuglingsmilch anbietet oder ständig Gegenargumente bringt. Auch Unterstützung von Familie und Freunden ist wichtig. Teilzeit oder sogar Vollzeit Arbeiten mit Kind ist sehr anstrengend und ein funktionierendes soziales Netzwerk und emotionale Unterstützung wirst Du auf jeden Fall brauchen.

Kommunikation mit dem Vorgesetzten

Mit Deinem Chef oder Vorgesetzten solltest Du rechtzeitig darüber sprechen, sodass womöglich noch Vorbereitungen getroffen werden können. Um Erlaubnis fragen musst Du nicht, die Stillpausen stehen Dir ja gesetzlich zu. Ein offenes, konstruktives Gespräch ist trotzdem wichtig. Schließlich kann das Stillen während der Arbeitszeit langfristig nur funktionieren, wenn Du Dich dort wohl fühlst.

Quellen:

  • https://de.statista.com/prognosen/738485/umfrage-in-deutschland-zu-gruenden-mit-dem-stillen-aufzuhoeren
  • http://www.bfr.bund.de/cm/343/stillen_und_berufstaetigkeit.pdf
  • http://www.lalecheliga.de/images/Infoblaetter/LLL_Ein_Stillkind_betreuen.pdf
  • http://www.iww.de/lgp/arbeitsrecht/mutterschutz-die-13-wichtigsten-aenderungen-beim-mutterschutz-f104980