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Wie entsteht Muttermilch in der Brust?


Schon in der Schwangerschaft beginnt der Prozess der Milchbildung und ab dem ersten Stillen passt sich die Muttermilch dynamisch und perfekt an den Säugling an – sowohl in der Menge, als auch in der Zusammensetzung.

Wie entsteht Muttermilch?

Was ist das Kolostrum?

Die erste Milch, die nach der Geburt aus der Brust kommt, nennt man Kolostrum oder Vormilch. Sie ist schon viele Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin verfügbar – für den Fall, dass ein Baby zu früh zur Welt kommt. Deshalb verändern sich auch die Brüste schon während der Schwangerschaft – sie bereiten sich auf das erste Mal Stillen vor und halten Vormilch bereit.

Diesen wertvollen Cocktail aus Immunstoffen, Wachstums- und Heilungsstoffen sowie wichtigen Darmbakterien sollte nach Möglichkeit jedes Baby bekommen, auch wenn es später nicht weiter gestillt wird. Die Immunglobuline (IgA) aus dem Kolostrum bildet im Magen-Darm-Trakt einen antiseptischen Film, der künftig vor Erregern, Nahrungsmittelsensibilität und Allergien schützt.

Häufig machen sich frischgebackene Mütter Sorgen, weil die Menge des Kolostrums sehr gering ist. Jedoch passt diese genau zum unreifen Magen eines Neugeborenen, der in den ersten Tagen nur sehr kleine Mengen (etwa einen Teelöffel) verdauen kann. Dass ein Baby in den ersten Lebenstagen Gewicht verliert, ist daher ganz normal und stellt keinerlei Gefahr dar. Das Kolostrum ist reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren und enthält doppelt so viel Kalorien wie die spätere Muttermilch.


>> Lies hier über die Gewichtsentwicklung eines Säuglings im ersten Lebensjahr. 

Milcheinschuss

Zwischen dem zweiten und sechsten Tag nach der Geburt schießt dann die Milch ein, das heißt der Körper bildet echte Muttermilch statt des Kolostrums. Beim Stillen nach Kaiserschnitt oder anderen Notfallsituationen, vor allem wenn Mutter und Kind nicht von Anfang an rund um die Uhr beisammen sind, kommt die Milch etwas später als sonst. Die Brust stellt vom Kolostrum um auf die „normale“ Muttermilch, diese Umstellung dauert bis zu zwei Wochen. Die Brust wird prall und groß, spannt meistens.

Manchmal kommt es vor, dass in den ersten Tagen oder auch später noch zu viel Milch gebildet wird. Dann fällt es dem Baby schwer, die pralle Brustwarze anzusaugen und die Milch fließt schneller, als das Baby schlucken kann. Man kann die Milchbildung etwas drosseln, indem man nach dem Stillen kalte Kompressen auflegt. Vor dem Stillen kann man etwas Milch ausstreichen, z.B. unter der Dusche oder ins Waschbecken, sodass das Baby besser zurecht kommt. Mit der Zeit pegelt sich die Milchmenge normalerweise gut auf den Bedarf des Stillkindes ein. Dann geht auch die Größe der Brust zurück.

>> Im Artikel „Milchbildung reduzieren“ kannst Du lesen, was Du langfristig tun kannst, wenn Du zu viel Milch hast. 

Wer Angst hat, zu wenig Milch zu haben, der sollte möglichst häufig stillen, am besten nach Bedarf. Das bedeutet, dass man das Baby immer anlegt, wenn es Hunger signalisiert. Dass ein Baby an die Brust möchte, erkennt man nicht erst dadurch, dass es weint. Meist wird es vorher unruhig und sucht mit seinem Mund nach der Brustwarze, wenn es mit dem Gesicht Haut berührt.

>> Lies hier, was Du tun kannst, um die Milchbildung zu steigern. 

In der Zeit des Milcheinschusses wie auch in der folgenden Stillzeit sollte man sich bewusst sein, dass die Milchbildung zusätzliche Energie von der Mutter abverlangt. D.h. sie hat häufiger Hunger und braucht mehr Schlaf bzw. Ruhe.

Milchbildung und Stillen

Das Hormon Prolaktin sorgt dafür, dass in den einzelnen Milchbläschen der Brust Milch gebildet wird. Wenn das Baby nun anfängt, zu trinken, aktiviert das Hormon Oxytozin den Milchflussreflex, den viele Frauen als drückendes oder ziehendes Gefühl spüren. Die Zellen in den Milchbläschen nehmen alle nötigen Stoffe für die Milchbildung aus dem Blutkreislauf der Mutter.

Es wird immer so viel Milch produziert, wie getrunken wird, das heißt je mehr Milch der Brust entnommen wird – egal, ob getrunken, abgepumpt oder ausgestrichen, umso mehr Milch wird produziert. Deshalb kann der weibliche Körper auch problemlos genug Milch für das Stillen von Zwillingen oder Drillingen produzieren. Allerdings dauert es immer ca. 48 Stunden, bis sich die Milchbildung nach oben oder unten reguliert, wenn plötzlich mehr Milch, wie bei einem Wachstumsschub, oder weniger Milch, wie beim Abstillen, benötigt wird.

Stillhormone

Prolaktin ist das Hormon, das für die Milchbildung zuständig ist. Zusätzlich stärkt es auch den Mutterinstinkt, sorgt dafür, dass eine Mutter die Bedürfnisse ihres Neugeborenen schnell wahrnimmt, auch im Schlaf.

Oxytozin ist das „Bindungshormon“. Es wir z.B. auch beim weiblichen Orgasmus ausgeschüttet.

 

Quellen: 

  • Lothrop, Hannah: Das Stillbuch. München: Kösel, 2008.
  • Weigert, Vivan: Stillen. München: Kösel 2010.
  • Linden, Dr. med. Wilhelm zur: Geburt und Kindheit. Frankfurt am Main: Vittorio Klostermann, 1998