Vorbereitung auf das Stillen

Wie kann man sich aufs Stillen vorbereiten? – 7 Tipps


Im Grunde brauchst Du als Schwangere nicht viel Vorbereitung auf das Stillen – Dein Körper erledigt alles, was wirklich nötig ist, ganz automatisch. Allerdings kann es sehr beruhigend sein für den Stillbeginn, wenn Du Dich informiert fühlst und alle Vorbereitungen getroffen hast.

Was Du tun kannst als Vorbereitung auf das Stillen

Stillen ist etwas ganz Natürliches. Das bedeutet allerdings nicht, dass es immer bei allen Frauen ganz natürlich und ohne Komplikationen klappt. Während Frauen früher häufig ältere Frauen im direkten Lebensumfeld hatten, denen sie über die Schulter schauen konnten und die ihnen mit Rat und Tat zur Seite standen, leben heute die meisten Familien allein in einer Wohnung oder einem Haus. Vorbilder und Ansprechpartner fehlen. Die eigene Mutter hat vielleicht nicht gestillt; vielleicht, weil sie dank der Werbung der Ersatzmilchhersteller dachte, mit dem Stillen werden zu viele Schadstoffe aus der Milch an das Baby weitergegeben; vielleicht, weil ihr im Krankenhaus suggeriert wurde, sie habe zu wenig Milch und solle lieber zufüttern; vielleicht, weil sie das Nicht-Stillen als emanzipatorischen Akt empfand.

Deshalb ist es absolut normal und verständlich, dass junge Mütter häufig überfordert sind mit dem Stillen und deshalb frühzeitig aufgeben. Mit ausreichender gedanklicher Vorbereitung auf das Stillen wird dieses Risiko zumindert verringert.

Das kannst Du konkret tun, um Dich vor der Geburt auf das Stillen vorzubereiten:

    1. Informationen aus Büchern oder entsprechenden Videos und Informationsportalen im Internet sammeln.
      Vertrauen in andere ist gut, eigene Informationen sind besser. Je mehr Du darüber liest und hörst, wie genau das Stillen funktioniert und was Du in Problemfällen tun kannst, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es klappt. Stillen ist nicht immer einfach und selbst bei komplikationslosen Stillbeziehungen schmerzen die Brustwarzen in der Regel einige Tage. Wenn Die Brustwarzen wund sind, liegt das meistens am falschen Anlegen. So etwas solltest Du wissen, um bei den ersten Schmerzen nicht gleich das Handtuch zu werfen.Wenn Du online oder auf Flyern nach Informationen suchst, solltest Du aufpassen, dass Du keine Informationsquellen der Ersatzmilch-Industrie nutzt. Denn diese suggerieren häufig – und aus nachvollziehbaren Gründen – dass ein Baby mit Flaschenmilch genauso gut ernährt werden könne, wie durch das Stillen. Auch wenn die Qualität des Milchpulvers in den letzten Jahren stark zugenommen hat und regelmäßig überprüft wird, kommt die Zusammensetzung der Ersatzmilch nicht annähernd der Muttermilch gleich. Das bedeutet, die Milch aus der Flasche schadet Deinem Baby vermutlich / hoffentlich nicht. Allerdings entbehrt sie vieler Vorteile, die das Stillen und die Muttermilch mit sich bringen.
    2. Nachsorge-Hebamme kennenlernen. Stillbegleitung / Stillberatung suchen.
      Wenn Du schon vor eventuellen Problemen beim Stillen weißt, wen Du fragen kannst, fällt es Dir mit Sicherheit leichter, dies dann auch zu tun. Denn die Hemmschwelle, jemand Bekanntes anzurufen, ist bei weitem niedriger, als wenn man sich auch noch vorstellen muss oder eventuell von mehreren Personen abgewiesen wird.
    3. Stillgruppe besuchen.
      Vielen stillenden Müttern hilft der regelmäßige Austausch mit anderen. Deshalb gibt es in vielen Orten Stillgruppen oder Stillcafés. Häufig finden diese in Krankenhäusern oder Geburtshäusern statt, manchmal auch in Gemeindehäusern oder bei sozialen Einrichtungen. Natürlich kannst Du dort auch schon während der Schwangerschaft hin, dich mit den Müttern anfreunden und eventuell Fragen loswerden. In jedem Fall wirst Du dort Vorbilder finden, sehen, dass das Stillen irgendwann ganz problemlos und selbstverständlich wird.
    4. Geburtsvorbereitungskurs besuchen.
      Auch Hebammen, die Geburtsvorbereitungskurse geben, kennen sich oft gut mit dem Stillen aus. Viele von ihnen sind selbst Mütter, auch in der Gruppe sind nicht immer alle Erstgebärende. Hier kannst Du also Fragen loswerden und dir noch einmal den Stillbeginn beschreiben lassen.
    5. Freundinnen und Bekannte, die bereits gestillt haben, nach ihrer Geschichte und ihren Problemen fragen.
      Wenn Du hier bereits Vorbilder und Ansprechpartner findest, brauchst Du das Stillcafé vielleicht gar nicht. Oft können diese Mütter auch mit guten Büchern zum Thema aushelfen oder anderen wichtigen Utensilien für die erste Zeit.
    6. Stillfreundliches Krankenhaus wählen.
      Leider gibt es immer noch viele Krankenhäuser, in denen dazu geraten wird, in den ersten Tagen mit Flaschenmilch zuzufüttern. Anstatt echter Unterstützung für stillende Mütter bekommst Du dort veraltetes Halbwissen, das eure Stillbeziehung zunichte machen kann, bevor sie richtig angefangen hat. Denn wenn in den ersten Lebenstagen nicht regelmäßig an der Brust getrunken wird, kommt die Milchbildung nicht richtig in Gang und das Baby gewöhnt sich ans Fläschchen. Dann scheint es so, als „könne“ die Mutter nicht stillen oder als „wolle“ das Baby die Brust nicht.
      In stillfreundlichen Krankenhäusern dagegen wissen die Krankenpfleger über den natürlichen Ablauf der Milchbildung und des Stillens Bescheid. Sie können weiterhelfen, wenn es um das erste Anlegen, Probleme und Fragen geht. Dort wird auch protokolliert und überprüft, ab eine Mutter häufig genug stillt, um die Milchbildung sicherzustellen.
      Auf der Suche nach stillfreundlichen Krankenhäusern kann Dir die Initiative Babyfreundliches Krankenhaus weiterhelfen.
    7. Unterstützung durch den Partner finden.
      Wenn der Partner oder andere wichtige Vertrauenspersonen nicht mit dem Stillen einverstanden sind, kann das enorm belastend sein. Wenn man dann als gefühlte Einzelkämpferin auch noch Probleme oder Schmerzen hat, fühlt es sich oft einfacher an, nachzugeben und mit der Flasche zu füttern. Vielleicht kannst Du darum schon während der Schwangerschaft Deinen Partner oder Deine Mutter mit Argumenten und guten Artikeln überzeugen, dass Stillen das Beste für Euer Kind ist und es sich lohnt, am Ball zu bleiben.
    8. Dich zu Hause gemütlich einrichten, kleine Helferlein besorgen und auf die Stillzeit freuen.

Quellen: 


  • Lothrop, Hannah: Das Stillbuch. München: Kösel, 2008.
  • Weigert, Vivan: Stillen. München: Kösel 2010.